How to do: Langzeitbelichtung

[camera: Canon EOS 20D, focal_length: 27, iso: 100, aperture: 4.5, shutter_speed: 27, ]
Viele derer, die schon mal versucht haben abends/nachts ohne Blitz ein Photo zu machen, haben es schon mal erlebt, dass das Photo nachher nicht wie gewünscht ausschaut, sondern etwas verschwommen oder sogar komplett unscharf ist. Im Grunde genommen haben sie eine Langzeitbelichtung gemacht. Um jedoch eine etwas gelungenere Langzeitbelichtung zu machen braucht es mehr als nur abends den Blitz weg zuschalten, wobei ich genau so angefangen habe.
Eines meiner ersten Bilder ist:
[camera: DiMAGE Xt, focal_length: 6, iso: 160, aperture: 2.8, shutter_speed: 4, ]
Ich gebe zu man kann nicht allzu viel erkennen, aber es ist eine Langzeitbelichtung. Man spricht ab etwa 5 Sekunden von einer Langzeitbelichtung. Um etwas gelungenere Photos zu erstellen, sollten ein Stativ haben oder die Kamera irgendwo ablegen oder fixieren können (Bei Verwendung eines Stativs sollten Bildstabilisatoren abgeschaltet werden. Sie können sonst durch “Überreaktionen” wieder zu verwackelten Bildern führen).
Außerdem sollte man (nachts) eine Taschenlampe dabei haben, warum erkläre ich später.
Dann empfiehlt es sich auch, wenn man an der Kamera
- die Belichtungszeit und/oder die Blende einstellen kann.
- einen Film mit geringer Lichtempfindlichkeit ( ASA 50 ) verwendet
- evtl. Graufilter am Objektiv anbringt (tagsüber)
- und das Umgebungslicht etwas abdunkelt
Natürlich ist nicht immer alles möglich und nötig.
Dann braucht man noch ein geeignetes Motiv, hier ein paar Vorschläge:
- Fließende Gewässer, Wasserfälle
- Glätten von Meereswogen, Gischt und Brandung = Nebeleffekt
- Windaufnahmen: Bäume, Getreidefelder, flatternde Stoffe
- Eliminierung von Personenabbildungen in Architekturaufnahmen
- Geisterhafte Personenaufnahmen
- Gewitter. (Blitz-geschützt aufstellen, Regenschirm nicht vergessen!)
- Straßenverkehr in der Dämmerungsphase = Lichtspuren der Fahrzeuge
- leuchtende sich bewegende Objekte
[camera: Canon EOS 300D DIGITAL, focal_length: 55, iso: 100, aperture: 18, shutter_speed: 8, ] - Beleuchtete Gebäude
[camera: Canon EOS 300D DIGITAL, focal_length: 18, iso: 200, aperture: 16, shutter_speed: 30, ] - Sternenhimmel bei Nacht, Zeiten von einigen Minuten bis mehrere Stunden
Interessante Effekte kann man auch erzielen, wenn man tagsüber Langzeitaufnahmen macht.
Dazu braucht man aber einen Graufilter, aber was ist das?
Wikipedia dazu:
Unter Neutraldichtefilter (auch: Neutralfilter, Graufilter) versteht man in der Fotografie gefasste Glas- oder Kunststoffscheiben von optischer Güte, die vor das Objektiv des Fotoapparats eingebracht werden, um gleichmäßige Abdunkelungen im Bild hervorzurufen.
Diese Filter sind homogen neutral-grau eingefärbt, um die Farbwiedergabe nicht zu verfälschen. Damit wird gezielt die durch tretende Lichtmenge vermindert. Dies kann bei der Verwendung von höher empfindlichem Filmmaterial und viel Licht erforderlich sein, wenn aus aufnahmetechnischen Gründen große Blindenöffnungen und/oder lange Verschlusszeiten erwünscht sind.
Graufilter gibt es in verschiedenen Stärken:
| Dichte (ND) | Verlängerungsfaktor (Verschlusszeit) | Lichtreduktion in Blendenstufen |
|---|---|---|
| 0,3 | 2x | 1 |
| 0,6 | 4x | 2 |
| 0,9 | 8x | 3 |
| 1,8 | 64x | 6 |
| 3,0 | 1.000x | 10 |
| 4,0 | 10.000x | 13 |
| 6,0 | 1.000.000x | 20 |

Wichtig beim photographieren mit Graufiltern ist es, eine Routine einzuhalten, denn wenn man sich einmal einen Filter anschaut, wird schnell klar, dass mit aufgesetztem Filter sowohl Ausschnittswahl, wie auch Belichtungsmessung und Autofokusmessung nicht, beziehungsweise nur eingeschränkt möglich sind. Hat man ein Motiv gefunden, geht man wie folgt vor:
- montiere die Kamera auf ein Stativ
- lege den Bildausschnitt fest
- wähle eine passende Blende (Tiefenschärfe oder -unschärfe) oder eine Belichtungszeit
- scharf stellen !!merken der Belichtungsdauer!!
- mache eine Probeaufnahme (evtl. Korrektur der Einstellungen)
- stelle die Kamera scharf
- montiere den Graufilter
- schalte die Kamera in den manuellen Modus
- deaktiviere den Autofokus
- stelle die neue Zeit ein (gemerkte Zeit x Verlängerungsfaktor)
- löse mit Selbstauslöser oder Fernauslöser aus
- warte
- freue Dich über das Bild
Die Aufnahme selbst wird unter Zuhilfenahme des Selbstauslösers oder per Fernauslöser eingeleitet. Da die meisten Kameras nur eine Zeitvorwahl von max. 30 Sekunden erlauben, muss bei errechneten längeren Zeiten der “bulb”-Modus in Verbindung mit einem Fernauslöser genutzt werden.
Die fertigen Bilder werden unter Umständen etwas wärmer wirken, als die Fotos ohne Graufilter, da die “Neutral”-Graufilter ab einer bestimmten Dichte einige Farbspektren stärker filtern als andere. Dem Bild ist das aber in den meisten Fällen sogar zuträglich.
Nachts benötigt man keinen Graufilter. Bei großer Dunkelheit, wie sie nachts auf dem Land vorkommen kann, versagt auch schon mal die Belichtungsmessung. Wenn dem so ist, hilft nur noch probieren, da Langzeitbelichtungen auch schon mal länger dauern können und es sehr frustrierend ist wenn man nach einer Stunden oder sogar mehr merkt, dass die Aufnahme nicht geworden ist, weil das Bild über- oder unterbelichtet, die Kamera falsch eingestellt war oder der Bildausschnitt überhaupt nicht die gewünschte Wirkung erzielt? Das macht man anders!
- Ausrüstung zusammen ( Stativ, Kamera, Zubehör, Kabelauslöser mit Feststellfunktion, Taschenrechner, Taschenlampe)
- geeignetes Motiv suchen und finden
- montiere die Kamera auf dem Stativ
- lege Bildausschnitt fest
- stelle Kamera scharf (mit Hilfe der Taschenlampe)
- stelle Autofokus ab
- Manueller Modus
- ISO so hoch wie möglich
- Blende ganz auf
- Verschlusszeit relativ kurz
- Bild prüfen
Man testet nun, ob mit den Einstellungen ein korrekt belichtetes Bild möglich ist. Da aber das Kameradisplay gerade bei Dunkelheit täuschen kann, sollte man immer sich auch immer die Tonwerte (= das Histogramm) ansehen. Nachts ist eine Verschiebung des Ausschlags nach links (dunklere Töne) durchaus erwünscht, da so die Nachtstimmung erhalten bleibt. Ist das Bild zu hell oder zu dunkel, wird die Verschlusszeit korrigiert.
1. Bilddaten ansehen
Beispiel:
- ISO 3200
- Blende 4
- Verschlusszeit 10 Sekunden
2. Einstellungen neu berechnen (oder nutze den Belichtungszeit-Rechner)
Da hohe Isowerte ein verrauschtes Bild erzeugen, möchte man lieber ISO 100 verwenden. Außerdem ist meine Lieblingsblende Blende 8.
ISO 3200 + Blende 4 = 10 Sekunden
-> Zeit alt * 2 hoch (Differenz der Blenden [in Stufen]) = Zeit neu
ISO 3200 + Blende 8 = 40 Sekunden
-> ISO alt / ISO neu * Zeit alt = Zeit neu
ISO 100 + Blende 8 = 1280 Sekunden
- Verschlusszeit auf “Bulb”
- mit dem Kabelauslöser auslösen und feststellen
- 1280 Sekunden warten
- sich über das Bild freuen
Hier noch etwas Grundwissen, damit sich auch keiner verrechnet:
Bei Verdopplung der ISO-Empfindlichkeit halbiert sich die Verschlusszeit (bei Beibehaltung der Blende)…
- ISO100 und 20 Sekunden entspricht ISO200 und 10 Sekunden
- ISO100 und 20 Sekunden entspricht ISO400 und 5 Sekunden
- ISO100 und 20 Sekunden entspricht ISO800 und 2,5 Sekunden
- ISO100 und 20 Sekunden entspricht ISO1600 und 1,25 Sekunden
Bei Erhöhung der Blendenzahl um eine (volle) Stufe verdoppelt sich die Belichtungszeit. Die Blendenreihe mit vollen Blenden lautet…
1.0 – 1.4 – 2.0 – 2.8 – 4 – 5.6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32
- Blende 4 und 20 Sekunden entspricht Blende 2.8 und 10 Sekunden
- Blende 4 und 20 Sekunden entspricht Blende 5.6 und 40 Sekunden
- Blende 11 und 10 Sekunden entspricht Blende 2.8 und 0,625 Sekunden
- Blende 8 und 2 Sekunden entspricht Blende 11 und 4 Sekunden
Zusammenfassung:
Die Langzeitbelichtung wird gewählt, um entweder Bewegungen durch Verwischen fließend darzustellen oder um bei wenig Licht noch Aufnahmen machen zu können. Grundsätzlich bedeutet Langzeitbelichtung Fotografieren mit verhältnismäßig langer Belichtungszeit. Die meisten Kameras – ob klassisch oder digital – bieten Funktionen zur Langzeitbelichtung. Das Spektrum erstreckt sich von konkret wählbaren Belichtungszeiten zwischen einer und mehreren Sekunden, bis zur “unendlichen” Belichtungsdauer, bei der die Blende solange geöffnet bleibt, wie der Auslöser gedrückt wird. Diese Funktion ist meist durch ein “B” (Bulb) gekennzeichnet.
Hauptsächlich kommt die Langzeitbelichtung bei Dämmerung oder nachts zum Einsatz. Ziel ist es dabei, trotz des nur spärlich vorhandenen Lichts beeindruckende Bilder auf den Film oder den Chip zu bannen. Dabei übernimmt das Aufnahmemedium keine unwichtige Rolle. Neben der sorgfältigen Wahl der Belichtung hat die gewählte Empfindlichkeit einen wesentlichen Einfluss auf das Gelingen einer Langzeitbelichtung-Aufnahme. Durch die geringe Grundhelligkeit entstehen, besonders bei künstlich angestrahlten Objekten, starke Beleuchtungskontraste, die mit niedrigeren Empfindlichkeiten besser wiedergegeben werden. Digitalfotografen sehen sich beim Experimentieren mit höheren Empfindlichkeiten und längeren Belichtungszeiten unter Umständen mit verrauschten Bildern und Hotpixeln konfrontiert, die gegebenenfalls nachträglich per Bildbearbeitung beseitigt werden müssen.
Update:
ich habe einen Rechner programmiert der die Berechnung für Dich erledigt :)






Kommentare (20)
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Genial – sowas detailiertes findet man echt selten im Netz. Vielen dank, du hast mir geholfen. Nur hat meine Cam keinen Bulb-Modus, also länger belichten als 60 Sekunden is nich – schade. Aber ich hoff für meine belange langts erstmal. Zum Bildrauschen – ich würde mich nie trauen, mit mehr als ISO 400 zu fotografieren, weil das Rauschen ist bei mir echt derb. Aber gut, dass grad Winter ist, weil wenns kälter ist, ist das Rauschen ja wohl nicht so arg wie wenn die Cam warm ist. Analog sollte man haben…
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ho – schliesse mich Tobi an – wirklich toll, zu so einem speziellen Thema eine so fundierte Anleitung zu finden. Jetzt bin ich am Zug – kann mich nicht mehr länger davor drücken, endlich mal meine ersten Gehversuche in Luminografie zu unternehmen. ;)
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Hi, Die Brücke gefällt mir am Besten ;)
Danke für die Anleitung. Jetzt habe auch ich es so halbwegs geschnallt ;)
Gruß aus Krefeld
Der Peter
Der Link Wikipedia dazu (Graufilter) hakt. Bei der URL geschnitzert: \”wikipedihttp://de.wikipedia.org/wiki/Neutraldichtefilter\”
;0] Chriusha
hmm, habe keine Probleme damit gehabt. Aber trotzdem Danke
Eine sehr schöne Zusammenfassung, vor allem die Tabelle macht wirklich Zusammenhänge klar! Ich werde demnächst in unserem Blog über experimentelle Nachtaufnahmen schreiben, viele Grüße!
Gute Anregungen. Ich weiß nur noch nicht, welche Dichte die richtige für meine Zwecke ist.
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Danke für die sehr gute und verständliche Beschreibung. Da werde ich, wenn meine neue Kamera da ist, sehr viel Freude an der Lnagzeitbelichtung haben.
Einfach eine klasse Beschreibung. Da hätte ich mir meinen Beitrag zu diesem Thema ja fast sparen können. Ich werde gleich mal in meinem Beitrag zur Langzeitbelichtung hierher verlinken.
Danke, das höre ich gerne :)
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Super Beschreibung …
Wäre noch besser wenn man die Bilder sehen würde.
IE und FIrefox ziegen nur graue Rahmen